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"Lebt als Kinder des Lichts" Gottesdienst mit Groß und Klein am 2. August 2020

Predigt im Gottesdienst mit Groß und Klein am ersten Sonntag im August.

Predigttext Johannes 9, 1-7:

Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war. 2 Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist? 3 Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm. 4 Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. 5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. 6 Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden 7 und sprach zu ihm: Geh zu dem Teich Siloah – das heißt übersetzt: gesandt – und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.

Predigt Teil I

Beppo:       Aua!
Mein Auge tut weh

Pfarrer:      (spuckt auf sein Taschentuch)
Warte mal: ich mach es dir sauber.

Solange ich klein war, hat es mir nichts ausgemacht.
Irgendwann wurde es mir zu eklig.
Wenn meine Mutti mit dem Taschentuch meinen Mund abgeputzt hat,
nahm sie immer etwas Spucke: Ich kann mich an den Geruch erinnern.
Bei Jesus war noch Lehm dabei, von der Straße.
Es ganz besondrer Duft – in der Luft.

Beppo:       Bäh, lass das!
Das ist eklig.

Pfarrer:      Es sieht aber nicht so gut aus.
Wir nehmen lieber diese Tropfen.

Beppo:       Au, ich kann nichts mehr sehen!

Ich glaube, Medizin ist immer irgendwie unangenehm.
Das fing mit dem Lebertran im Kindergarten an;
später haben sie ihn mit einer Creme vermischt.
Manche Tabletten sind so groß, dass du dich fast dran verschluckst.
Dann gibt es diese Kapseln:
Wenn du sie aus Versehen zu lange im Mund behältst, schmeckst du auch die bittere Medizin.
Die Spritze beim Impfen tut sogar richtig weh.
Scheinbar braucht es immer einen Schmerz, um den Schmerz zu vertreiben,
oder einen Ekel, um wieder gesund zu werden. Das gehört wohl dazu.

Pfarrer:      Ja, das tut jetzt weh,
aber die Tropfen heilen nur, wenn du zehn Minuten
die Augen auf und zu machst.

Beppo:       Wirklich? Das ist blöd.
Bäh.
-   Stille    -

                   Okay, ich mach’s.
Ich will ja gesund werden!
Auf – zu – auf – zu – … (ab)

Und das zweite kommt danach:
Du kannst dich nicht einfach hinlegen.
Es sei denn, du hast vierzig Grad Fieber.
Oder du bist frisch operiert.
Aber heutzutage musst du ja schon mit einem verknacksten Fuß
ganz schnell wieder das Laufen üben.
In der Geschichte mit Jesus
muss der Patient
gleich nach der Behandlung zum Teich laufen,
und dort muss er seine Augen waschen.

Der Teich Siloah war in Jerusalem.
Weil die Stadt auf dem Berg lag, sammelte man das Regenwasser darin;
an trockenen Tagen konnte man dort Wasser holen.
Es war also ein Wasserspeicher.
Man kann den Teich heutzutage in Jerusalem besichtigen.

Beppo:   auf – zu – auf – zu

Pfarrer:  Beppo, weißt du was der Name Siloah bedeutet?

Beppo:  auf – zu – nein – auf – zu

Pfarrer:   Jesus gibt dem Teich eine geheimnisvolle Bedeutung.

„Geh zu dem Teich Siloah – das heißt übersetzt: gesandt – und wasche dich!“
Jesus sendet ihn dort hin.
Und der Mann macht sich auf den Weg.
Er bleibt nicht einfach sitzen.
Er tut etwas, so wie du, Beppo.

Beppo:    auf – zu – nein – auf – zu

Du bleibst nicht sitzen am Wegrand.
Der blinde Mann blieb meistens sitzen.
Er saß am Wegrand und bettelte mit den Händen.
Weite Wege waren gefährlich für ihn.
Jesus sagt: Da musst du jetzt gehen.
Mach dich auf. Bleib nicht sitzen.

Beppo:   auf – zu – nein – auf – zu

Da steckt aber auch eine zweite Bedeutung drin:
Auch Jesus wurde gesandt:
Jesus wurde von Gott auf die Erde geschickt,
damit die Menschen Gott sehen.
Um Gott zu finden, musst du dich auf den Weg machen.
Du kannst nicht zu Hause sitzen bleiben.
Bequemlichkeit bringt nichts.
Gott schickt mich,
Gott schickt dich.
Gott macht mobil.

Beppo:       auf – z… - Wo schickt Gott mich hin?
Welchen Auftrag hat er für mich?

Pfarrer       Auf keinen Fall sitzen bleiben!
Du sollst weiter kommen.
Mach dich auf den Weg, du wirst schon sehen!

Beppo:       (mit Elan – ab)
auf – zu – auf – zu … (ab)

Pfarrer, zur Gemeinde:

Du kannst dir den Mount Butler auf der Landkarte anschauen.
Du kannst von zu Hause aus bequem in Google Maps gucken, wo die Wege sind;
vielleicht erkennst du sogar, wo es bergauf und wo es bergab geht.
Aber wie es wirklich dort oben ist,
ob die Treppen gepflastert oder aus Lehm befestigt sind,
welche Blumen und welche Sträucher dort wachsen,
das kannst du nur sehen, wenn du selbst dort hoch gehst.
Und wenn du Glück hast, und Fernsicht,
dann siehst du auch die Schiffe auf dem Meer
und die anderen Inseln.

So ist das auch mit Gott.
Er schickt dich auf einen Weg.
Ja, er macht sich selbst auf den Weg.
Eine Landkarte, einen Plan für dein Leben,
das hat sich schnell skizziert; aber Gott will mehr:
Deshalb hat er zu Jesus gesagt: Geh dort hin.
Dann können wir beide sehen,
wie es bei den Menschen ist,
wie es ihnen geht,
wie sie leben.

Beppo:       Überraschung!
Der Blinde, das ist nicht einfach irgendein Mensch.
Der Blinde ist ein Beispiel für Gott selbst.

Pfarrer:      Gott will dabei sein in deinem Leben.
Gott geht mit. Wie der Blinde, dem die Augen geöffnet werden,
will Gott sehen, wie es bei uns zugeht.
Er will, dass wir ihm die Augen öffnen.
Ihm zeigen, wie das Leben spielt,
wie wir leben.
Gott will gucken:
er wäscht uns, und wir
waschen ihm die Augen!

Beppo:       (reibt sich die Augen) Komisch.
Um nicht zu sagen: „Verrückt“.
Ich dachte immer, Gott ist ganz weit weg, da oben im Himmel.
Dabei ist Gott in dem Menschen, der plötzlich sehen kann.

Pfarrer:      Gott ist da, wo jemand die Augen geöffnet werden,
wo einer den Durchblick kriegt.

Beppo:       (reibt sich wieder die Augen)
Oh, schon viel besser.
Ich kann jetzt besser sehen.
Ist Gott jetzt bei mir?

Pfarrer:      Ja, natürlich, Beppo.
Deine Augengymnastik hat (wirklich) geholfen.

-          Pause             -

Beppo:       (geht ab) auf – zu – auf

Au:
Habt ihr noch Fragen:
Ihr könnt mir schreiben.
Ich geh jetzt online.


Predigt Teil 2

Eigenartig.
Der Blinde hat gar nicht gebeten, dass Jesus ihn heilt.
In den anderen Heilungsgeschichten wird die Bitte immer ausdrücklich vorgetragen;
oft sogar so stark, dass du das Gefühl hast,
dass der Kranke gesund werden will,
sei geradezu Voraussetzung für die Heilung.
Diesmal, einfach:
Jesus wirkt.
„Es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.“
„Solange ich in der Welt bin, solange es Tag ist, müssen wir wirken.“

Ich möchte auf die beiden Aspekte kurz eingehen:
Zum einen das Gefühl, die Lebenszeit Jesu sei eine besondere Zeit gewesen.
Zum andern das Gespür dafür, dass es besondere Gelegenheiten gibt,
die möglicherweise nicht wieder eintreten.

I Erstens:
„Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.“

Jesus hat ein Gespür für die besondere Zeit.
Wenn wir diesen Satz im Zusammenhang sehen
mit anderen Texten aus dem Johannes-Evangelium,
ist Jesus nicht nur „ein Licht“,
das unter anderen, zufällig zu dieser Zeit besonders hell gewesen ist.
Jesus ist das Licht schlechthin, das Licht der Welt,
und wir tun gut daran, unser Augenmerk auf diese
Achsenzeit der Weltgeschichte zu richten,
auf diese 35 Jahre, da er gelebt,
auf die zwei oder drei Jahre,
da er öffentlich gewirkt hat.

Da geschehen ungewöhnliche Dinge, die sich wohl auch nie wiederholen werden.
Da kommen die Sterndeuter aus dem Morgenland,
da wird einzelnen Menschen die Gesundheit,
die gesellschaftliche Anerkennung,
das Leben wieder geschenkt.

Das kann nicht einfach wiederholt werden.
Wir wissen von keinem Geheilten, den Jesus ein zweites Mal geheilt hätte.
Er macht das nicht, um die Naturgesetze außer Kraft zu setzen.
Dieses Wunder ist einzig und alleine dafür da,
uns die Augen zu öffnen: Jesus ist nicht nur Licht,
er macht dein Leben licht.

Das gilt für die Art, wie er die Schrift auslegt.
Das gilt für den Umgang mit Schwachen und Ausgestoßenen.
Das gilt auch für seine Art, fromme Lieblosigkeit aufzudecken,
wenn Menschen mit den Geboten Gottes argumentieren
um das höchste Gebot zu umgehen,
die Nächstenliebe.

Deshalb wirkt er so unermüdlich,
lässt Kranke zu sich kommen und
hilft bis er am Rand seiner Kräfte ist
und sich mit den Jüngern zurückzieht.
Und als sie ihn am andern Ufer dann doch entdeckt haben,
da lässt er sich zu neuem Wirken animieren - - -
Ich stell mir vor, er hat auf der Überfahrt über den See
einen Sekundenschlaf genommen und neue Kräfte gesammelt,
vielleicht aber auch kurz mit Gott Kontakt aufgenommen – im Gebet.

„Solange ich in der Welt bin“:
Jesus weiss, wie begrenzt seine Lebenszeit ist.
Und er nutzt um Himmels Willen sogar seinen Schlaf
um Kraft zu schöpfen für den nächsten Tag.

II Zweitens:
„Es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.“

Das heißt, jetzt ist die Gelegenheit beim Schopf zu ergreifen.
Jetzt ist die Zeit, dein Licht leuchten zu lassen.
Sag jetzt deinem Kind, wie stolz du bist.
Nicht aufsparen das Lob; jetzt, da du überwältigt bist:
Fass dein Gefühl in Worte.
Bring zum Ausdruck, was dich bewegt.
„Toll hast du das gemacht“, oder:
„Ich hatte gar nicht damit gerechnet“,
vielleicht auch mit einem errötenden: „Verzeih mir!“

Der Händler aus Deutschland, der uns im Februar Gesichtsmasken geschenkt hat,
als in Deutschland, in ganz Europa noch kein Gedanke an eine weltweite Epidemie war:
Er hat Menschen in Hongkong geholfen, als wir sie brauchten.
Er wurde zu einem Segen in einer Zeit, als Hilfe rar war.
Acht Wochen später wurden auch in Deutschland
Gesichtsmasken Pflicht. Und überhaupt
war weltweit die Produktion angekurbelt:
Damals, im Februar war der Moment,
dass diese, genau diese Hilfe
gebraucht worden ist.

Hast du auch manchmal das Gefühl: „ich sollte mal diesen einen Menschen anrufen“?
Jetzt ist die Zeit, da du daran denkst.

Jesus gibt uns diesen zweifachen Anstoß.
Denk an das wahre Licht, und handle im Licht.
Ich habe gewirkt. Ich war das Himmelslicht.
Ihr wisst, was meine Werke sind.
Also lebt darin. Amen.